Dachbegrünung
Sachbericht von Susanne Steffens

Überlegungen vor der Anlage:

Obwohl in Deutschland schon seit Jahrzehnten Dächer begrünt werden, gibt es immer noch ungenügende oder falsche Vorstellungen zu dieser Art des grünen Wohnens. Viele Mitmenschen halten die heutige Dachbegrünungswelle für eine modische Erscheinung. Meistens machen sich diese Leute keine Gedanken über die Notwendigkeit zusätzlicher Grünflächen in unseren Städten. Zum Glück für uns alle wird die Zahl der Stadtbewohner, die den ökologischen und wirtschaftlichen Wert der Dachbegrünung erkennen, immer grösser. Die Vegetationsflächen werden immer kleiner und ihr Verlust kann durch das Schaffen begrünter Dachflächen nur zum Teil wieder ausgeglichen werden. Eine Dachbegrünung ist sicher viel mehr als eine optische Aufwertung des Daches bzw. Hauses.

Dachbegrünung hat eine Reihe von Vorteilen:

Aber nicht nur ökologische Aspekte sprechen für eine Dachbegrünung, auch die schöne Aussicht kann der Mensch geniessen.

An dieser kurzen Darlegung wird deutlich, dass eine fachgerecht ausgeführte Dachbegrünung mehr als eine kosmetische Behandlung nackter Dachflächen darstellt. Sie ist eine Schutzmassnahme, die sich stets auszahlen wird.

Bevor man die Anlage eines Gründaches angehen kann, sind noch einige technische Besonderheiten zu bedenken:

Aufbauprinzip der Dachbegrünung:

Die Dachhaut muss vor Pflanzenwurzeln geschützt werden. Dies wird durch das Verlegen einer Wurzelschutzfolie erreicht. Um Unverträglichkeiten der evtl. unterschiedlichen Materialien Dachhaut-Wurzelschutz vorzubeugen wird auf der Dachhaut erst ein Trennvlies (300 g/m²) verlegt. Die Überlappung der einzelnen Bahnen beträgt mindestens 10 cm. Dann folgt die Wurzelschutzbahn, die aus PVC oder bituminösen Folien mit Kupfereinlage bestehen kann. Alle Folien und Vliese sind an den Gebäudeanschlüssen mindestens 15 cm über die Vegetationsschicht  hochzuziehen und mit einem geeigneten Klemmprofil zu befestigen. Oder alle Teile werden über die Dachaufkantung gezogen und dort durch Dachrandabdeckungen aus Metall- oder Holzkonstruktionen gesichert. Der Einbau muss sorgfältig und ohne jede Beschädigung erfolgen. Ebenso das Verschweissen der Bahnen, da die Wurzeln durch undichte Schweissnähte hindurchwachsen können. Die eingebauten Entwässerungseinrichtungen werden nun verschlossen um das Dach zu fluten. Im Falle eines Wasserverlustes sind entweder Schweissnähte undicht, oder die Folie weist andere Beschädigungen auf. In dieser Bauphase lässt sich ein Schaden noch verhältnismässig leicht beheben. Wurde bereits die komplette Begrünungsmassnahme durch geführt, und  stellt sich dann ein solcher Schaden heraus, ist dieser nur unter grossem Aufwand zu beheben. Das Fluten des Daches sollte auch bereits einmal durch den Dachdecker erfolgt sein, wenn dieser sein Gewerk abgeschlossen hat. Das Ergebnis ist in einem Protokoll festzuhalten. Nur wenn der Nachweis der Dichtigkeit erbracht ist, darf mit den Begrünungsmassnahmen begonnen werden. Generell wäre es am sinnvollsten, dass  die Dachhaut gleich durch den Dachdecker wurzelfest hergestellt wird.

Nun wird die Wurzelschutzbahn mit einem Schutzvlies (200 g/m²) abgedeckt. Darauf erfolgt der Einbau der Dränageschicht. Beim System ZinCo besteht diese Schicht aus Styropor (Vorteil: höhere Wärmedämmung) oder Kunststoffelementen. Mit diesen Elementen ist auch ein gleichzeitiger Wasseranstau möglich. Das in den Vertiefungen der Elemente stehende Wasser kann dann durch Diffusion in die darüber liegende Vegetationstragschicht gelangen und steht den Pflanzen dort zu Verfügung. Weitere Vorteile der vorgenannten Elemente: Arbeitsersparnis beim Einbau, da kein Schüttmaterial für die Dränschicht eingebaut werden muss, Gewichtsersparnis, Kostenreduzierung durch verminderten Arbeitsaufwand, schnellere Fertigstellung. Weitere geeignete Materialien sind: Kies 16-32 mm, 8-16 mm (~1700 kg/m³), Bimskies (~800 kg/m³), Blähton (~333 kg/m³). Um Beschädigungen der Wurzelschutzbahn vorzubeugen, darf kein gebrochenes Material verwendet werden. Die Filterschicht (auf Dächern Dränvlies 180 g/²)hat die Aufgabe, die Funktionsfähigkeit der Dränage zu erhalten. Mit dem Aufbringen der Vegetationsschicht kommt man zum Ende der Vorarbeiten.

Geeignete Materialien für Substrate sind:

Die Dicke der Vegetationsschicht hängt von der gewünschten Nutzung ab. Bei der Intensiven Dachbegrünung benötigt man für Sträucher und baumartige Gehölze > 40 cm Substrat. Rasen, Stauden und Bodendecker brauchen einen Aufbau von 15-20 cm. Die Substratdicke bei einer extensiven Dachbegrünung beträgt je nach Pflanzengesellschaft 5-15 cm.

Was ist der Unterschied zwischen Intensiv-Extensivbegrünung?

Für die Extensivbegrünung ist nur ein verhältnismässig geringer Aufwand für Herstellung, Pflege und Wartung notwendig. Die Dränage- und Vegetationsschicht kann sehr dünn gehalten werden. Weder Wasserspeicherung noch eine künstliche Bewässerung müssen hier vorgesehen werden. Eine Wurzelschutzbahn ist jedoch unbedingt erforderlich, da einige Pflanzen wie z.b. der Löwenzahn sehr kräftige und tiefreichende Wurzeln entwickeln. Bei den Pflegearbeiten ist auch besonderes auf Sämlinge von Betula, Robinia, Salix und ähnliche zu achten, da diese ebenfalls ein kräftiges Wurzelwerk ausbilden.

Bei der Intensivbegrünung muss mehr Arbeit, Pflege und Dünger eingesetzt werden. Ein entsprechend aufwändigerer Unterbau und eine ausreichend starke Substratschicht kommen hinzu. Sträucher, Gräser, Stauden oder sogar Bäume fordern einen differenzierteren Aufbau, denn nicht nur die Stärke der Vegetationsschicht ist entscheidend, sondern auch das Nährstoffangebot. Längere Trockenperioden oder eine länger anhaltende Staunässe vertragen die meisten Pflanzen nicht. Deshalb ist auch hier eine Dränage vorzusehen, ausserdem eine künstliche Bewässerung. Sie sollte möglichst automatisch auf den Bedarf reagieren. Dürreschäden lassen sich kaum reparieren. Überschüssiges Wasser muss hingegen frei ablaufen können. Die Intensivbegrünung umfasst bei höherem Schichtaufbau Pflanzungen von Stauden und Gehölzen bis hin zum Rasen oder zu Bäumen. Das bedeutet gegenüber der extensiven Bauweise einen erhöhten Aufwand hinsichtlich der Pflege und der Bewässerung.

Bepflanzung:

Nach all den Vorarbeiten kommt nun die Bepflanzung. Das Wichtigste hierbei ist die Pflanzenauswahl.

Folgende Kriterien sind zu beachten:

Gleich bei der Pflanzenauswahl sollte man sich Gedanken über die spätere Pflegemassnahme machen. Höherer Herstellungsaufwand erfordert hohen Pflegeaufwand.

Auswahl pflegeleichter Pflanzen für die Dachbegrünung:

Sedum album (Weisser Mauerpfeffer)
Sedum sexangulare (Goldmoossedum)
Sedum acre (Scharfer Mauerpfeffer)
Alyssum montanum (Steinkraut)
Sempervivum tectorum (Dachwurz)
Verbascum nigrum (Dunkle Königskerze)
Potentilla neumanniana (Frühlingsfingerkraut)
Calluna vulgaris (Heidekraut)
Thymus serpyllum (Feldthymian)
Iris pumila (Zwergschwertlilie)


Sachbericht Copyright © 2002 Susanne Steffens, Auszubildende im 3.Lehrjahr

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